MethodikVersuchsplanung

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Versuchsplanung: Jeder Versuch zählt für jede Frage.

Probieren nach Gefühl findet das Zusammenspiel von Einstellungen nie. Ein Versuchsplan schon, und mit weniger Läufen. Dieser Beitrag zeigt den Weg vom Plan über die Auswertung bis zur bestätigten Einstellung.

MethodikLesezeit etwa 15 MinutenStand Oktober 2026

Acht Versuche, drei Faktoren

Rechenbeispiel: Ausschuss an Maschine 4, jeder Versuch zweimal gefahren

So lesen Sie das Bild: Der Würfel hat drei Kanten, eine je Faktor: Nachdruck, Kühlzeit und Werkzeugtemperatur, jeweils auf einer niedrigen und einer hohen Stufe. Jede Ecke ist eine Kombination, also ein Versuch. Nacheinander leuchten die acht Ecken auf, die Zahl darin ist der Ausschuss in Prozent, grün wenig, braunrot viel. Danach erscheinen rechts beziehungsweise unten die Wirkungen: wie stark der Ausschuss sinkt oder steigt, wenn ein Faktor von niedrig auf hoch geht. Grün heißt weniger Ausschuss, grau wäre nicht belegt.

An Maschine 4 liegt der Ausschuss bei rund fünf Prozent. Aus dem Ursachentrichter der Übersicht Methodik weiß Jonas, dass Nachdruck und Kühlzeit verdächtig sind, und Petra hat die Werkzeugtemperatur im Blick. Einen Faktor nach dem anderen zu verändern, hat schon einmal nichts gezeigt, wie Kapitel 4 der Übersicht erklärt. Diesmal plant Jonas die Versuche.

Dieser Beitrag zeigt, wie das geht: warum ein Plan weniger Versuche braucht und trotzdem mehr verrät, wie man ihn aufstellt und in welcher Reihenfolge man fährt, wie man Wirkungen und Zusammenspiel abliest, was davon Zufall sein könnte, was man bei vielen Faktoren tut und wie aus dem Ergebnis eine Einstellung wird. Die Versuchsplanung geht auf Ronald A. Fisher zurück; in DMAIC gehört sie in die Phase Improve. Alle Zahlen sind Rechenbeispiele und lassen sich nachrechnen.

Warum planen statt probierenWas gewinnt man durch einen Plan?

Im Versuchsplan verändert jeder Lauf alle Faktoren zugleich, aber nach einem festen Muster. Dadurch lässt sich jeder Lauf für jede Frage verwenden: Um die Wirkung des Nachdrucks zu bestimmen, vergleicht man die vier Läufe mit hohem gegen die vier mit niedrigem Nachdruck, und genauso für die anderen Faktoren. Wer dagegen einen Faktor nach dem anderen verändert, braucht für dieselbe Genauigkeit für jeden Faktor eigene Läufe.

Läufe für dieselbe Genauigkeit

Rechenbeispiel: drei Faktoren, jede Wirkung aus vier gegen vier Läufe

So lesen Sie das Bild: Jedes Kästchen ist ein Versuchslauf. Oben zählt der Weg „einer nach dem anderen“: Für jeden der drei Faktoren braucht er acht eigene Läufe, zusammen 24, und erfährt trotzdem nichts über das Zusammenspiel. Unten der Versuchsplan: acht Läufe, die für alle drei Wirkungen und ihr Zusammenspiel zugleich zählen.

Dazu kommt, was der Weg „einer nach dem anderen“ grundsätzlich nicht kann: Wechselwirkungen erkennen. Wenn der Nachdruck nur bei langer Kühlzeit hilft, sieht man das nur, wenn beide zugleich verändert werden.

Der Plan: plus und minusWie stellt man einen Versuchsplan auf, und in welcher Reihenfolge fährt man ihn?

Für jeden Faktor wählt man zwei Stufen, eine niedrige und eine hohe, kurz minus und plus. Sie sollen weit genug auseinander liegen, damit eine Wirkung sichtbar wird, aber im sicheren Bereich bleiben. Bei drei Faktoren ergeben sich zwei hoch drei, also acht Kombinationen: der vollfaktorielle Plan. Jeder Lauf wird zweimal gefahren, damit man später den Zufall schätzen kann.

Ebenso wichtig ist die Reihenfolge. Fährt man die Läufe der Reihe nach, ändert sich die Werkzeugtemperatur erst in der zweiten Hälfte. Wird die Maschine im Lauf des Tages wärmer, sieht diese Erwärmung genau aus wie eine Wirkung der Werkzeugtemperatur. Eine zufällige Reihenfolge verteilt solche schleichenden Einflüsse auf alle Faktoren, statt sie einem zuzuschlagen.

Feste gegen zufällige Reihenfolge

Rechenbeispiel: die Maschine wird mit jedem Lauf etwas wärmer

So lesen Sie das Bild: Jede Zeile ist ein Lauf, die Spalten A, B und C zeigen die Stufen von Nachdruck, Kühlzeit und Werkzeugtemperatur, gelb plus, blau minus. Die braunroten Balken rechts wachsen mit jedem Lauf: die Erwärmung der Maschine. In fester Reihenfolge stehen alle Plus-Läufe der Werkzeugtemperatur am Ende, und die Erwärmung erscheint als ihre Wirkung. In zufälliger Reihenfolge verteilt sie sich; die scheinbare Wirkung entspricht dann der wahren.

Wirkungen und Zusammenspiel ablesenWie liest man das Ergebnis?

Die Wirkung eines Faktors ist der Mittelwert aller Läufe auf seiner hohen Stufe minus der Mittelwert auf seiner niedrigen. Im Beispiel senkt ein hoher Nachdruck den Ausschuss um 2,4 Prozentpunkte, eine lange Kühlzeit um 1,6. Die Werkzeugtemperatur wirkt mit 0,3 Prozentpunkten nur wenig, und in die falsche Richtung.

Eine Wirkung, ein Zusammenspiel

Rechenbeispiel: Haupteffekt des Nachdrucks und Wechselwirkung mit der Kühlzeit

So lesen Sie das Bild: Links die acht Versuche, geteilt nach dem Nachdruck: vier mit niedrigem, vier mit hohem. Die schwarzen Striche sind die Mittelwerte; ihr Abstand ist die Wirkung. Rechts das Wechselwirkungsdiagramm: zwei Linien, eine für kurze, eine für lange Kühlzeit, jeweils vom niedrigen zum hohen Nachdruck. Liefen sie parallel, wirkten beide Faktoren unabhängig voneinander. Sie laufen auseinander: Der Nachdruck hilft vor allem bei langer Kühlzeit.

Die Wechselwirkung wird genauso berechnet, nur mit dem Produkt der Stufen: Läufe, in denen beide Faktoren auf derselben Seite stehen, gegen die übrigen. Im Beispiel beträgt sie −2,0 Prozentpunkte, fast so viel wie der Nachdruck allein. Genau dieses Zusammenspiel hatte das Probieren übersehen.

Zufall vom Effekt trennenWelche Wirkung ist echt?

Auch ein Plan liefert Zahlen mit Zufall. Weil jeder Lauf zweimal gefahren wurde, lässt sich die Streuung zwischen den Wiederholungen schätzen, hier 0,15 Prozentpunkte. Daraus ergibt sich, wie groß eine Wirkung mindestens sein muss, um nicht mehr als Zufall durchzugehen: Mit der t-Verteilung aus dem Kapitel Auswerten sind das hier 0,17 Prozentpunkte.

Was belegt ist

Rechenbeispiel: alle sieben Wirkungen, nach Größe sortiert, mit der Grenze aus den Wiederholungen

So lesen Sie das Bild: Jeder Balken ist eine Wirkung, die größte oben: die drei Faktoren, ihre drei Paare und das Zusammenspiel aller drei. Die braunrote gestrichelte Linie ist die Grenze, die sich aus den Wiederholungen ergibt. Gelbe Balken reichen über sie hinaus und gelten als belegt, graue bleiben darunter und können Zufall sein.

Belegt sind hier Nachdruck, Zusammenspiel von Nachdruck und Kühlzeit, Kühlzeit und, knapp, die Werkzeugtemperatur. Alle übrigen Wechselwirkungen bleiben unter der Grenze. Das ist typisch: Wenige Wirkungen sind groß, viele sind vernachlässigbar.

Wenn es zu viele Faktoren werdenWas tun bei sieben Faktoren statt drei?

Mit jedem Faktor verdoppelt sich der vollfaktorielle Plan. Sieben Faktoren hätten 128 Kombinationen, bei zwei Wiederholungen 256 Läufe. Für ein erstes Sieben, welche Faktoren überhaupt wirken, genügt ein Teil davon: Ein teilfaktorieller Plan mit 16 Läufen schätzt alle sieben Haupteffekte sauber.

128 gegen 16

Sieben Faktoren: alle Kombinationen oder ein teilfaktorieller Plan

So lesen Sie das Bild: Links füllen sich 128 Kästchen, alle Kombinationen von sieben Faktoren. Rechts 16 Kästchen, der teilfaktorielle Plan. Darunter erscheint der Preis: Bestimmte Wechselwirkungen teilen sich im kleinen Plan eine Spalte und lassen sich nicht mehr trennen, hier das Zusammenspiel von A und B mit dem von C und E sowie von F und G.

Der Preis heißt Vermengung. In diesem Plan sind die Haupteffekte frei, aber manche Paare von Faktoren lassen sich nicht auseinanderhalten. Das ist für ein erstes Sieben meist in Ordnung: Man findet die wenigen wichtigen Faktoren und untersucht sie danach mit einem vollständigen Plan genauer. Welche Effekte vermengt sind, legt man beim Planen bewusst fest.

Vom Ergebnis zur EinstellungWann ist eine Einstellung belegt?

Aus den belegten Wirkungen lässt sich vorhersagen, welcher Ausschuss bei jeder Einstellung zu erwarten ist. Hoher Nachdruck und lange Kühlzeit versprechen rund ein Prozent. Eine Vorhersage ist aber noch kein Beleg. Deshalb fährt man an der gewählten Einstellung Bestätigungsläufe und prüft, ob sie in den erwarteten Bereich fallen.

Höhenkarte und Bestätigung

Rechenbeispiel: vorhergesagter Ausschuss über Nachdruck und Kühlzeit, drei Bestätigungsläufe

So lesen Sie das Bild: Die Fläche links zeigt den vorhergesagten Ausschuss für jede Kombination von Nachdruck und Kühlzeit: grün wenig, braunrot viel. Der Kreis markiert die gewählte Einstellung. Rechts beziehungsweise unten das grüne Band: der Bereich, in dem Bestätigungsläufe liegen sollten. Nacheinander erscheinen drei Läufe; grün heißt im Band, braunrot hieße außerhalb.

Liegen die Läufe im Band, ist die Einstellung belegt und kann in die Arbeitsanweisung. Liegen sie daneben, war das Modell zu einfach oder etwas anderes hat sich verändert, und es lohnt sich, genauer hinzusehen. In der Medizintechnik folgt danach die Frage, ob die neue Einstellung im validierten Prozessfenster liegt oder eine neue Validierung braucht, wie das Kapitel Prozessfenster zeigt.

J

„Ein Prozent statt fünf, und ich habe dafür sechzehn Läufe gebraucht.“Jonas, Prozessingenieur

Zum AusprobierenDen ganzen Weg vom Problem bis zur besten Einstellung zeigt der Wegweiser; einen eigenen Plan mit drei Faktoren das Werkzeug Versuchsplanung. Im Kaizen-Kreislauf ist ein Versuchsplan das gründlichste „Prüfen“, siehe Kaizen.

Kurz gesagt

  1. Planen: Im Versuchsplan zählt jeder Lauf für jede Wirkung. Drei Faktoren brauchen 8 statt 24 Läufe für dieselbe Genauigkeit, und das Zusammenspiel gibt es dazu.
  2. Reihenfolge: Zufällig fahren, sonst erscheinen schleichende Einflüsse wie die Erwärmung einer Maschine als Wirkung eines Faktors.
  3. Ablesen: Wirkung = Mittelwert plus minus Mittelwert minus. Nicht parallele Linien im Wechselwirkungsdiagramm zeigen Zusammenspiel.
  4. Zufall: Wiederholungen liefern die Grenze, ab der eine Wirkung belegt ist.
  5. Viele Faktoren: Teilfaktorielle Pläne sieben mit wenigen Läufen; der Preis ist die Vermengung mancher Wechselwirkungen.
  6. Bestätigen: Erst Bestätigungsläufe im vorhergesagten Bereich machen aus dem Ergebnis eine Einstellung.

Woher die Zahlen kommen

Alle Zahlen sind Rechenbeispiele. Wahres Modell (dem Team unbekannt): Ausschuss = 4,0 − 1,2 A − 0,8 B + 0,1 C − 1,0 AB Prozent, mit Stufen −1 und +1 und Zufall mit Streuung 0,15; jeder der acht Läufe zweimal simuliert (Startwert 2026, auf 0,01 gerundet). Daraus geschätzt: Wirkungen Nachdruck −2,4, Kühlzeit −1,6, Nachdruck × Kühlzeit −2,0, Werkzeugtemperatur +0,3, übrige Wechselwirkungen unter 0,1 Prozentpunkten. Streuung aus den Wiederholungen 0,15; Standardfehler einer Wirkung 2 s ÷ Wurzel(16); Grenze t(0,975; 8) = 2,306 mal Standardfehler = 0,17. Vorhersage bei hohem Nachdruck und langer Kühlzeit 1,01 % mit Band ± 0,39 (t mal s mal Wurzel(1 + 4/16)). Läufe für dieselbe Genauigkeit: 3 × 8 = 24 gegen 8. Erwärmung 0,15 Prozentpunkte je Lauf: in Standardreihenfolge scheinbare Wirkung der Werkzeugtemperatur 0,8 statt 0,2, in der gezeigten zufälligen Reihenfolge 0,2. Teilfaktorieller Plan 2⁷⁻³ mit E = ABC, F = BCD, G = ACD: AB ist mit CE und FG vermengt. Alles mit NumPy und SciPy nachgerechnet.

Hinweis zu Inhalten und Grafiken

Alle Grafiken sind eigene, vereinfachte Darstellungen; Zahlen sind simuliert oder als Rechenbeispiel gekennzeichnet. Bekannte Modelle werden im Text ihren Urhebern zugeordnet. Normen und Vorschriften beschreibt diese Seite nur allgemein und in eigenen Worten; verbindlich ist allein der jeweilige Originaltext. Alle Personen, Unternehmen und Fälle in den Beispielen sind frei erfunden; Ähnlichkeiten mit realen Personen oder Unternehmen wären zufällig.

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